Die kleinen oder großen Geschichten und Gedanken um Corona sollen nicht vergessen werden.  Jeder Beitrag ist es wert. Vielen Dank und ich freue mich weiter auf eure Mails oder Telefonate. Mit dem fünften Teil der Geschichten schließen wir die öffentliche Rubrik ab.

Weitere Einsendungen werden gesammelt. (Mail: medag24@t-online.de, Tel. 08505 939737)


Eure Geschichten - 5. und letzter Teil

 


Ich war Covid-19 positiv – mein Rückblick

Bester Laune war ich noch am 15.März, gehörte ich doch zu einer politischen Gruppe, die sich für ihren Bürgermeister-Kandidaten seit Monaten stark gemacht hatte.  Wir hatten viele Wochen Spaß, gute Laune und haben es geschafft. Unser Favorit hatte die Wahl gewonnen. Drei Tage später bekam ich die Diagnose: Sars-CoV-2positiv und ich wusste, damit konnte ich mich nur auf einer Dienstreise im Norden infiziert haben. Sofort wurde ich aufgefordert, meine letzen Kontaktpersonen zu nennen. Die ganze Hochstimmung, die ganze Euphorie war plötzlich pfutsche. Dabei ging es mir gut in den ersten Tagen. Ich hatte kein Fieber, nur einen leichten Husten. Vom Gesundheitsamt wurde ich regelmäßig telefonisch betreut und meine Kontaktpersonen mussten 14 Tage in häusliche Quarantäne. Getestet wurde aus meinem Umfeld niemand, nur bei einigen lief ein Test über die Arbeitsstellen. Die Tage zogen sich wie Kaugummi, ständig beobachtet man sich selber und ich hatte Angst, was da noch auf mich zukommen wird. In der zweiten Woche verlor ich den Geruchs- und Geschmackssinn. Ein sehr unangenehmes Gefühl. Gutes Essen kannst du weder riechen noch schmecken. Ich hätte sonst was zu mir nehmen können. Das zog sich einige Tage so dahin. Nach 13 Tagen stellte sich aber wieder alles auf normal bei mir und am 15.Tag war meine Quarantäne beendet. In Windeseile hatte sich rumgesprochen, dass ich Corona habe, schnell stellt sich heraus, wer die wahren Freunde sind. Das waren jene, die Essen vor die Tür stellten und andere, die nachfragten, wie es mir geht. Man fühlt sich in der Zeit teilweise wie eine Aussätzige.

Jetzt, nach sechs Wochen, sehe ich die Dinge auch etwas anders. Ich spekuliere, wie es hätte sein können, wenn mich die Krankheit schwerer erwischt hätte und ich bin dankbar für den milden Verlauf.  Endlich konnte ich wieder zum Einkaufen gehen und in der Sonne einen Spaziergang genießen. Man fühlt sich wie neu geboren.  Ich spekuliere, ob ich tatsächlich immun bin und ich bin dankbar für jeden neuen Tag nach meiner Genesung. Ich genieße die Natur jetzt anders, viel intensiver. So kontrovers auch alles diskutiert wird, wir alle müssen lernen mit dem Virus umzugehen. Ich möchte anderen helfen und werde Blutplasma spenden und ich denke nach, wie sehr man es doch wieder schätzen kann, wenn wir nach Corona unsere lieben Menschen wieder umarmen dürfen. Ich bin eine junge Frau unter dreißig Jahren und hatte vielleicht nur Glück, dass mich Covid-19 nur leicht erwischt hat. Ich rate allen weiter zur Vorsicht. 2.5.  N.S. Lkrs.PA


Übereifer

 

Berufliche Heimfahrt um 23.30 Uhr. Nur wenige Autos auf den Straßen. Plötzlich das rote Licht. STOPP. Polizei hält Autofahrerin an. „Was machen Sie um diese Uhrzeit auf der Straße?“ Verdutzte Antwort: „Ich fahr nach Hause, warum haben Sie mich gestoppt? Bin ich auffällig gefahren?“  "Haben Sie Alkohol getrunken?" "Nein, ich hätte aber großen Durst."  "Führerschein dabei?" „Ja.“  Freund-lich, aber ein wenig enttäuscht, weil nichts raus-kam bei der Kontrolle, durfte die Autofahrerin "um diese Zeit" nach Hause fahren. Wahrscheinlich grasiert das Virus zu dieser Stunde besonders stark.

 

23.04.2020 (Telefonischer Bericht, weiblich)


Noch sinnvoll ?

Zwei Freunde fahren vom Joggen heim. Es ist früher Abend. Der Freund wohnt nahe dem Wald, sein Kumpel hat ihn das kurze Stück bis dahin mit dem Auto mitgenommen. Auf dem Rückweg. STOPP, Polizeikontrolle. "Was den Führerschein zu Hause vergessen? Haben Sie Alkohol und Drogen konsu-miert, steigen sie mal aus. Ach ja und den Freund dürfen sie nicht mitnehmen. 1,50 Meter Abstand nicht gewährleistet, Sie verstehen!" Das macht je 150,-€ Strafe. Die Polizisten selber stehen dicht zu-sammen, ohne Maske, ohne 1,50 Meter Abstand. Es blieb bei der Verwarnung. Die Beiden wussten nicht, dass ein nicht zum Haushalt gehörender Mensch nicht mit  im Auto sitzen darf.

 

Ein Mann bei einer Tankstelle am Sonntag. Als er gerade eintanken wollte, Kontrolle. "Sie tanken ohne Grund  (wahrscheinlich weil der Treibstoff ge-rade einen guten Preis anzeigte) an einem Sonntag. Sie haben Ihre Wohnung verlassen." 150,-€ Strafe waren fällig. Alles paradox, eine glaubwürdige Geschichte und wenn ja, ist das noch sinnvoll?

 

 

24.04. und 26.04.2020

(Telefonische Berichte, männlich)

 

 



Persönliche Bezugsperson zulassen

Ich bin Tierärztin, praktiziere nicht mehr, aber auf Nachfrage bei meinen Kollegen funktioniert die Versorgung der kranken Tieren in der Krise ohne Probleme. Persönlich fand ich den "run" auf die Desinfektionsmittel im März lachhaft. Hände-waschen mit Seife reicht. Auch eine Maskenpflicht sehe ich nicht als sehr wirksam an. Ich halte mich an die Regeln, gehe nicht so oft zum Einkaufen, weil das mein Freund auf dem Heimweg vom Job meistens erledigt. Ich sitze gerne auf der Terrasse, betreue einen Hund aus der Nachbarschaft und ab Montag auch wieder ein kleines Mädchen.

Bei uns in der Nähe hat sich eine ganze Familie infiziert. Sie haben mit leichten Symptomen die Quarantäne und Covid-19 gut überstanden. Was mich ärgert, sind die strengen Regelungen mit den Altersheimen. Viele Menschen sind schon psy-chisch sehr angeschlagen und das Fehlen jeglicher sozialer Kontakte ist gravierend und kaum aus-zuhalten. Hier hätte ich mir andere Maßnahmen gewünscht. Wenigstens den Zugang einer eventuell vorher getesten, nahen Bezugsperson außerhalb der Einrichtung. Ich sehe da durch die Vereinsamung, gekoppelt mit körperlichen und psychosomati-schen Folge-Erkrankungen  ein größeres Risiko für schwere Krankheiten und wer will schon verein-samt und alleine sterben? Das klingt vielleicht hart, aber Streichelheiten sind so wichtig.

 15.04.2020, Margit, Tierärztin a.D., Rosenheim


Bald ein Stadtbummel

Endlich öffnen wieder die Baumärkte und dann muss ich nicht mehr lange warten, bis ich wieder in ein paar Geschäfte komme. Ich hab schon einen Notizzettel gemacht, was ich alles besorgen will.

Mir fehlt das schon, dass ich nicht mehr bummeln kann. Die Krönung wär ja dann, gemütlich ins Cafe zu gehen oder irgendwo draußen sitzen. Aber das kann ich auch noch abwarten. Ich hoffe, es gehen nicht viele pleite. Jahrelang war ich im Reini-gungsgewerbe beschäftigt. Als im März die Aus-gangssperre kam, habe ich nicht lange überlegt und eine Arbeits-Stelle gekündigt. Ich wollte da nicht mehr hin, mich und die Familie gefährden. Eine Stelle bei einer Ärztin behalte ich noch.

Mein nächster Gang war zur Gemeinde und ab Juni werde ich Rente beziehen, auch wenn ich kleine Abzüge habe. Ich bin Witwe und die sozialen Kontakte zu meinen Kindern fehlen mir schon sehr. Meine Freundinnen habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Das was sie beschließen, nehme ich so wie es ist und halte mich an die Regeln. Aber es war schon ein Schock für mich, als das im März losging.

 

Jetzt hat man sich schon fast daran gewöhnt, aber das was sie jetzt leichter machen, ist schon wieder  viel besser. Ich musste 65 Jahre alt werden und sowas, was noch nie da war, miterleben. Ich bin gesund und  froh, wenn wir da alle wieder raus sind.

 16.04.2020 (telefonisch) Regina, Freyung



Ins Amt mit Einsatz, Kraft und Zuversicht

Gerne denkt man an den Wahlsonntag zurück. Gleich danach hat uns alle die Corona-Krise eiskalt in den Würgegriff genommen und die Kommunen werden es in Zukunft nicht leicht haben.

 Die wirtschaftlichen Schäden unserer Betriebe sind bis dato noch nicht absehbar. Die für die Ge-meinden wichtige Gewerbesteuer bricht ein. Gerade in diesen unsicheren Zeiten ist vorausschauendes Planen und Handeln erschwert, weil sich noch nicht abschätzen lässt, wie sich die Situation mit Covid-19 weiterentwickelt. Die ersten Lockerungen geben unseren kleineren Betrieben leichten Auf-wind, die gebeutelte Gastronomie- und Touristik-branche hat es noch sehr schwer. Ich hoffe, dass es für diesen Bereich spätestens Pfingsten zu einer weiteren Öffnung kommt. Wir haben sehr viele, rührige Vereine und niemand weiß, wie und wann das gesellschaftliche Leben wieder gut in Gang kommt. Jetzt hat die Gesundheit den absoluten Vorrang. Wie für alle Kommunen heißt es auch für unsere Gemeinde,  die  ständig wechselnden Maß-nahmen und Regeln umzusetzen.

Unsere Bürger haben mich mit Vertrauen und großer Zustimmung für das Amt des neuen Bürger-meisters gewählt. Die aktuellen Vorbereitungen, zusammen mit meiner Fraktion, liefen situa-tionsbedingt über Telefonkonferenzen und Whats-app. Mit vielen Plänen und Vorhaben werden wir starten und sehr genau selektieren müssen, was geht, was noch nicht geht und was länger warten muss.

Wenn ich demnächst starte, werde ich meine ganze Kraft und Zuversicht einbringen. Mit vollem Einsatz werden meine Räte und ich dafür sorgen, dass wir alle gut durch die Krise kommen. Priorität haben die Sorgen und Nöte der Bürger, Betriebe und Vereine, damit wir alle in kleinen Schritten zurück zur Normalität finden.

17.04. (neu gewählter) Bürgermeister, Lkrs. Passau


Meine Pläne bleiben offen

 Mir macht die Corona-Krise schwer zu schaffen. Mein Freund hat sich letztes Jahr mit einer Bar selbstständig gemacht, es lief super an, aber jetzt haben wir alle Rücklagen aufbrauchen müssen.

Das kleine Hotel seiner Eltern ist zwar auf, aber die Gäste fehlen. Und dann haben wir noch eine Almhütte nebenan, für extra Veranstaltungen. Alle Buchungen wurden natürlich storniert. Ich bin im letzten Ausbildungsjahr zur Hotelfachfrau in einem anderen Hotel in München. Mit Specials wie „Hotel Office“ oder im „Hotel wohnen“ konnten wir lediglich sechs von über hundert Zimmer belegen. Für touristische Zwecke dürfen Hotels nicht mehr vermieten.

Es käme ja sowieso niemand, alle bleiben zu Hause und die Grenzen sind zu.  Zwanzig Mitarbeitern wurde gekündigt und außer den Azubis, sind die restlichen Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Ich finde alles sehr schockierend und hätte nie gedacht, dass sowas wie Corona, einmal alles lahm legt. Im Frühjahr 2021, wenn ich meine Ausbildung beendet habe, möchten wir im Hotel der Eltern meines Freundes, ein zusätzliches Restaurant er-öffnen. Aber alles ist so unsicher und ob unsere Pläne aufgehen, weiß man noch nicht. Hauptsache wir bleiben gesund, ich habe großen Respekt vor dieser Krankheit und auch Angst davor. Das mit den Corona-Partys ist für mich verantwortungslos.

Wie schnell sich die Welt verändern kann, das erlebe ich jetzt hautnah. Ich bin noch jung und habe so viel vor. Dazu muss das Geld auch passen und …

 17.04.2020, Sissi, München



Entschleunigung tut gut

 Seit Jahren träumte ich davon, einmal vier Wochen Urlaub am Stück zu haben. Was könnte ich alles erleben oder erledigen. Immer hieß es bei mir: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Eine oder maximal zwei Wochen Pause im Jahr und am Stück, vergingen mir immer wie im Flug und richtige Erholung war das nie. Man bucht eine Flugreise, kommt am Samstag zurück und Montag ist man wieder voll im Stress.

 

Dann kam Corona und die Ankündigung meiner Firma: „Du hast Kurzarbeit“. Zunächst war ich geschockt, so wie viele Arbeitnehmer, die nach Hause geschickt wurden. In der ersten und zweiten Woche hing ich nur am Fernseher oder verfolgte die Nachrichten im Radio. Dann kam eine innere Ruhe auf und zusammen mit meiner Frau schmie-deten wir Pläne, als es hieß, vor dem 20.April ändert sich nichts. Wir hielten uns sehr streng an alle Regeln und dann begannen die Arbeiten im und ums Haus. Endlich konnte ich das reparieren oder im Garten was anpflanzen und das Wetter war die ganze Zeit auch optimal. Finanziell hat es mich nicht so sehr in die Miesen gehaut, wie ich anfangs befürchtete. Der Arbeitgeber stockte auf. Jetzt in der vierten Woche und Verlängerung der Ausgangs-sperre, rechne ich schon die freien Tage, die mir noch bleiben. Ich bin sehr froh, dass niemand aus meinem Umfeld mit Corona krank wurde und die Kontakte, die mir live fehlten, hielt ich mit Video-konferenzen am Laufen. Meine Frau und ich ver-missten nur die Wochenendpartys ein wenig. Aber sonst war und ist die Zeit bis jetzt sehr, sehr er-holsam für mich. Ich hab keine Geschichte für euch, hatte weder ein negatives noch ein positives Erlebnis, aber dass die Entschleunigungszeit auch seine gute Seite hat, solange man gesund ist, wollte ich euch schon mitteilen.

16.04.2020, Wolfgang, Pocking

Kaminkehrer bringt Glück

Mein Mann ist Kaminkehrer, dass heißt, keine Pause, keine freien Tage. Er erzählt mir, wie sich vor allem die älteren Leute über die Abwechslung freuen, wenn er ins Haus kommt. Am liebsten würden sie ihn alle zum Kaffeetrinken einladen um ein bisschen Unterhaltung zu haben. Über einen kleinen Gedankenaustausch freuen sie sich alle sehr. Er achtet auf Abstand und bedauert es, dass sich viele Menschen einsam fühlen in der Coronazeit. Ein klein bisschen Glück tut ihnen gut.

Die Feierabende verbringen wir mit ausgedehnten Spaziergängen und die Einschränkungen machen uns gar nichts aus. Mein Kleiderschrank ist voll und zu Hause brauche ich nur meine Jogginghose. Meine Kinder nehmen es sehr genau mit der Kontaktsperre und halten die Enkel von mir fern. Ich hab schon die Befürchtung, dass mich mein jüngster Enkel, der  Eineinhalbjährige bald nicht mehr kennt, wenn das noch länger so geht. Nur deshalb, habe ich mich nicht gefreut, als ich gehört habe, dass die Ausgangsbeschränkung noch bis 04. Mai verlängert wird. Ich bin sehr heimatver-bunden, arbeite gerne im Haus und  Garten. 

 

Dass wir heuer nicht in den Urlaub fliegen, ist mir eigentlich nur recht. Mir reicht es, wenn ich mal nach Österreich in die Berge komme und ich freue mich, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden.

17.04.2020, Irmgard, Lkrs. FRG



Eure Geschichten - 4.Teil


Keller voll, Geldbörse leer

Vor der Kontaktsperre war mein Platz im Keller und in einer extra Garage schon voll. Endlich wärmer draußen, freute  ich mich und bald ist es wieder soweit. Dann kann ich meine gesammelte Ware auf den Flohmärkten verkaufen. Jedes Jahr bin ich vom Frühjahr bis in den Herbst in unserer Region unterwegs auf den Märkten. Es macht Spaß mit den Leuten zu reden, zu verhandeln und wenn das Wetter passt. Man kennt sich mit der Zeit. Die vom Nachbarstand, die nur Klamotten anbietet und den Mann mit den alten Zinnsachen. Eine große Flohmarktfamilie und manchmal kommen ein paar neue Leute dazu. Man merkt, sie haben es nicht nötig, etwas zu verkaufen. Sie wollen einfach

die Sachen aus dem Haus haben. Verkaufen anstatt entsorgen. Mit Corona ist auch das unmöglich.

Bei mir ist das anders. Ich bin auf die Einnahmen angewiesen. Ein paar mühsam verdiente Euro für die Haushaltskasse, die ohne Flohmarkt noch bescheidener ausfällt. Wir haben eine hohe Miete und mein Mann ist Alleinverdiener, seit es mir gesundheitlich nicht mehr so gut geht. Alle Schachteln und Tüten mit meiner bunten Ware ins Auto zu packen, Stand aufbauen und alles auspacken ist schon ein Kraftakt für mich.  Was ich verkaufen kann, weiß ich vorher nie und es kommt vor, dass ich nicht mal die Standgebühr herein bekomme. Es gibt aber auch gute Tage. Nur die fallen jetzt aus. Ich kann keine Soforthilfe beantragen, muss mit den Einkäufen für den täglichen Bedarf sehr sparen und hoffe, dass es irgendwann in diesem Jahr wieder was wird, mit den Flohmärkten. Wenn ich alles so im Fernsehen sehe, dann ist das wohl nicht so ....

10.04.2020, Gertraud, Lkrs. Rottal-Inn

(telefonischer Bericht)


Asylantenheim abgeriegelt

Heute morgen bin ich mit meinem Freund Rad gefahren. Wir kamen an einer Asylunterkunft vorbei und haben uns richtig erschreckt. An die fünfzehn Polizeiautos haben alles abgeriegelt und aus einem anderen Auto stiegen Vermummte mit Schutzanzügen. Eine Vermutung machte sich breit. Hier soll es einen oder mehrere Coronafälle geben. Solche Einsätze sieht man sonst nur im Fernsehen.

 

Hier in München ist es viel ruhiger geworden, vor allem in den U-Bahnen und  in der Fußgängerzone sind wenig Menschen. Zu den Isar-Auen kommen ich und mein Freund weniger, wir radeln lieber in nahe Wälder.

Bei dem schönen Wetter sieht man jede Menge Spaziergänger und sehr oft halten sie nicht genug Abstand.  Mundschutz tragen in den letzten Tagen  immer mehr Menschen. Man gewöhnt sich an das Bild und manche sind da sehr kreativ, mit den Masken.

Ich bin Erzieherin und muss derzeit zwei Mal in der Woche in die Kita. Von unseren 187 Kindern sind vier Kinder von Eltern aus systemrelevanten Be-rufen zu betreuen. Die restliche Zeit habe ich Home Office, bereite Unterlagen für Elterngespräche vor, erstelle Entwicklungspläne oder kümmer mich um unsere Portfolio-Ordner. Mein Freund ist in Kurzarbeit und dem fällt die Decke schon auf den Kopf, er möchte viel lieber in die Arbeit gehen. Drei Tage hat er sich mit …

 08.04.2020, Julia, München

Die Stasi lässt grüßen

Interessant wäre in dieser Zeit auch, eine Statistik der Denunzianten zu führen. Es artet teilweise aus, was manche Mitmenschen betreiben. Jene, die sich zu Wendezeiten über die Stasi aufgeregt haben und jetzt selber schnell bei der Sache sind, um einen Regel-Verstoß, besser gesagt eigenen Verdacht, zu melden. 

Als Lehrerin und mit meiner Affinität zur Mathematik erstelle ich mir täglich meine eigenen Statistiken. Die Angaben vom RKI, von der John-Hopkins-Universität und Zahlen, die ich von einem  befreundeten Arzt bekomme, setze ich in Relation.

Kranke, Genesene und Corona-Tote. Meine Ergeb-nisse bringen mich immer noch nicht auf einen "grünen Zweig" aber zu der Annahme, dass da einiges nicht zusammen passt. Mir fällt da ein guter Satz ein: Die beste Statistik ist die, die du dir selber fälscht. Im Februar hatte ich eine außergewöhnlich schwere und hartnäckige Grippe. Soll ich mich auf meine Liste „Dunkelziffer“ setzen? Erst die Blutent-nahme auf Antikörper  würde mir wahrscheinlich Klarheit verschaffen. Hätte ich Zahlen wie hoch der wirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden ist und wird,  was ergäbe das für ein Diagramm?

 

Wer rechnet nach Corona die sozialen und psychischen Folgen hoch? Ein Beispiel: Eine mir bekannte Psychologin erzählte, dass sie eine Mutter mit hyperaktiven Kindern betreut. Im Haushalt wohnen zwei weitere Kinder. Die Mutter ist verzweifelt, sucht nach Unterstützung und spricht schon von Suizid, weil sie in der Lage heillos überfordert ist. Das sind die Dinge die mich sehr beunruhigen. Daneben sind unsere Sorgen als Lehrkräfte eher klein, auch wenn wir im Ungewissen gelassen werden, wann die Schulen wieder öffnen. Meine alte Mutter hingegen sieht die ganze Coronakrise sehr gelassen und meinte zu mir am Telefon, „Wenn der Tod …

 09.04.2020, Elisabeth, Lkrs.Passau


Trauer mit Corona

Es macht mich traurig, was sich derzeit auf Beerdigungen abspielt. Ich bin freier Trauerredner und begleite mit einfühlsamen Worten, einer Zeremonie und Musik die Angehörigen auf dem Weg zum letzten Abschiednehmen von ihren lieben Verstorbenen.

Die Familien müssen die Trauergemeinde sehr, sehr klein halten. Maximal zehn Trauergäste plus fünf Personen vom Bestattungspersonal, so ist es derzeit vorgegeben. Die Bestatter sind angehalten, die Traueranzeigen entweder nach der Beisetzung zu platzieren oder vorher ohne Datum und Ort der Beerdigung. Somit besteht keine Möglichkeit, dass Freunde, Nachbarn oder Vereinsmitglieder teil-nehmen können.

Zuwiderhandlung wird sanktioniert. Weihwasser und Grabschaufeln bleiben unberührt, die Benutzung ist nicht gestattet. Es tut mir so leid, wenn sich die Hinterbliebenen nicht umarmen können, kein warmer Händedruck möglich ist. Während meiner Rede halte ich gut Abstand zur kleinen Trauergemeinde und die Trauergäste halten sich diszipliniert an die Abstandsvorgaben. Keine Beschwerden, kein Jammern nur ein leises Bedauern, weil ein Freund oder eine weitere Verwandte bei der Trauerfeier nicht dabei sein kann.

Das Trauergespräch vorher, muss ich telefonisch führen, um den Ablauf  der Zeremonie  zu besprechen. Die Hinterbliebenen sind in einer emotional schwierigen Lage, und jetzt mit Corona ist das alles noch schwerer und belastender für sie. Heute hatte ich zwei Beerdigungen,  eine Tochter musste sich von…

08.04.2020, Trauerredner, Büchlberg



Eure Geschichten - 3.Teil


Das Haus ist leer - alles storniert

 Seit vielen Jahren betreibe ich eine kleine Pension in der Nähe von Passau. Schöne Zimmer, Schwimmbad und Whirlpool stehen den Gästen zur Verfügung. Nicht nur Feriengäste sondern auch Arbeiter aus Polen oder aus anderen Ländern nutzen mein Angebot, weil sie von hier aus, schnell in der Stadt und auf den Baustellen sind.

Jetzt ist mein Haus leer aber nicht ganz leise. Meine Enkeltochter und  ihre Mama leben vorübergehend bei mir. Meine Schwiegertochter wohnt in Österreich und arbeitet in Deutschland. Seit der Grenzschließung sitzt sie hier fest.  

 Die Arbeiter aus Polen sind vor zwei Wochen nach Hause gefahren. Die kamen dort in Quarantäne. Finanzielle Hilfen habe ich noch nicht angefordert. Mit den Formularen ist es nicht so einfach, das Richtige auszufüllen, da müsste ich mich erst gut damit beschäftigen. Ich habe schon gehört, dass man unwissentlich falsche Angaben machen kann und dann den Ärger hat. Das Finanzamt schickt mir schon Aufforderungen zur Vorauszahlung für 2020. Unverständlich, es läuft ja wahrscheinlich eh alles auf null hinaus. Geld eintreiben, von hinten? Ein paar Wochen können wir noch so durchhalten, aber …

07.04.2020, Georg, Pension, Lkrs. Passau


Regeln verpennt

Für mein Hobby gebe ich alles. Ich repariere Mofas und Mopeds und sammele die auch. Ausgediente Maschinen, die man ausschlachten kann. Meine Scheune ist voll damit. Immer wieder kommen meine Freunde oder Bekannte vorbei und holen sich irgendwelche Teile. Ich wohne am Stadtrand und abgeschieden. Nur ein paar Nachbarhäuser sind in der Nähe. Letzten Samstag kam Thomas mit einem Kumpel. Sie suchten einen Auspuff. Ich hatte einen und dann tranken wir noch ein Bier im Stehen. Mit dem Corona habe ich mich gar nicht beschäftigt, weil ich keine Zeitung abonniert hab und das Fernsehen interessiert mich auch nicht. Als ich mit meinen Freunden so dastand fuhr die Polizei in meine Einfahrt. Ich dachte, was soll das denn jetzt. Sie erzählten, dass sie einen Hinweis bekamen, dass sich hier mehrere Personen aufhalten und warum wir die Regeln nicht einhalten. Wir mussten die Ausweise zeigen und ob wir alle in meinem Haus wohnen? Ich kam mir wie ein Verbrecher vor. Dann klärten sie uns wegen der Maßnahmen auf und wir bekamen eine ernste Ermahnung. Niemand darf mehr zu mir kommen, sonst droht eine saftige Strafe. Ich schreib euch das, weil man sieht, wie …

06.07.2020, Andi aus Passau



Alt und dumm?

 Ich bin geflüchtet mit meiner Familie, ich hab den Krieg erlebt und musste schon als Kind schwer arbeiten. Studieren oder sowas ging da nicht.  Die Nachrichten damals habe ich trotzdem alle ver-standen. Dann kamen die englischen Wörter und mit den Jahren immer mehr Fremdwörter im Fern-sehen oder in die Zeitung.

 

In den letzten Wochen musste ich immer öfter meine Kinder anrufen, weil ich so viel nicht ver-stehe. „Was heißt Shutdown und Lockdown?“, fragte ich meinen Sohn. „Was meint der Wissen-schaftler mit Resilenz und evident?“  Sie sagen, die alten Leute muss man schützen aber wir alten Leute werden doch für dumm verkauft. Oder sollen wir das alles nicht verstehen, was uns die Ärzte und Politiker vorsprechen. Sie sagen, bleibt zu Hause. Das haben wir verstanden.  Aber wenn ich mir im Fernsehen die Sendungen ansehe oder in der Zeitung was lese,  denke ich oft, warum können sie nicht alles auf Deutsch erklären.

 

Gestern habe ich eine Nachricht gehört, das hat mich sehr erschreckt und mein Sohn wollte mir das Wort worstcase erst  gar nicht übersetzen, weil …

 

05.04.2020, Mathias, Lkrs. Passau

(telefonisch für die Mutter)

 

Angsthasen-Symptom

Die Covid-19-Sendungen und die vielen Corona-Extra-Infos,- meinen lieben Mann interessiert das, mich nicht. Bewusst nicht, weil ich meinen Kopf frei halten will von der ganzen Meinungs-maschinerie. Ich sehe, was die Krise mit meinen Bekannten derzeit macht. Die meisten haben Angst. Und die sonst schon Ängstlichen werden zu absoluten Angsthasen und schieben den ganzen Tag Panik. Darunter sind Leute, die sich vorher ins Auto gesetzt haben, nach irgendwo gefahren sind oder in ferne Länder gereist sind. Da hatten sie auch keine Angst, dass ihnen was passiert. Ich muss nicht alles wissen, ich lass mich nicht verrückt machen, auch nicht von den Zahlen (wir haben jedes Jahr sehr viele Grippetote) und schon gar nicht wegen der Masken. Meine Schals reichen mir, die binde ich mir gut um. Reicht für den Schutz anderer, sollte ich nießen oder husten müssen beim Einkaufen.Wir haben viel Arbeit im Garten und dass jetzt die Gärtnereien ihre mühsam hoch-gezogenen Pflanzen nicht verkaufen können, tut mir sehr leid. Ich nehme alles so hin wie es ist, man kann ja sowieso nichts ändern. Über einen An-schlag beim Lebensmittelhändler habe ich mich schon aufgeregt. Die Risikogruppen sollen doch bitte von sieben bis acht Uhr früh einkaufen gehen. Wir gehören auch zur Risikogruppe und ich gehe einkaufen wann ich will. Sorgen mache ich mir derzeit nur um einen Freund, der sitzt noch im Ausland fest. Am 10.04. soll er einen Rückflug nach Deutschland bekommen und ...

05.04.2020, Ulrike, Passau



Eure Geschichten - 2. Teil


400,-€ Strafe ohne Mundschutz

Unsere Grenzen sind dicht. Seit dem 14.03. ist der Notstand in Tschechien ausgerufen. Es kommt keiner rein und keiner kommt raus. Anfangs hofften die Travel Free Shops gleich an der Grenze noch auf Lockerung für die vielen Grenzgänger, die sich Zigaretten besorgen oder tanken wollten. Aber schnell wurden alle  Geschäfte  dicht gemacht. Wir dürfen nur mit Mundschutz in den Supermarkt gehen. Angestellte verteilen auch Schutzhand-schuhe.  Die Polizei kontrolliert streng. Wenn du ohne Mundschutz unterwegs  bist, sind schnell mal 400.-€ Strafe fällig. Ich habe in Volary eine Pension, da geht jetzt auch nichts mehr mit Gästen. Meine Frau Anna, mein kleiner Sohn Justin und ich haben trotzdem genug Arbeit mit unserem Anwesen. Alles in Ruhe auf Vordermann bringen und in einigen Zimmern bringen wir gerade Rollos an.

Die Handwerker dürfen mit Schutz arbeiten. Die strengen Auflagen finden wir in Ordnung. Ich rechne, dass dauert alles noch mindestens ein Jahr, bis da echte Lockerungen kommen. Viele Betriebe sind zu, aber die Regierung unterstützt sehr gut. 80% Kurzarbeitergeld zahlt der Staat auf den 20%-Anteil der Arbeitgeber, damit es die Arbeitnehmer nicht so schwer erwischt. Schade, dass ich meine Freunde aus Deutschland nicht sehen kann, einige holten Zigaretten hier und kamen dann mal schnell auf einen Kaffee in unserer Pension vorbei oder ...

03.04.2020, Tibor, Volary, CZ

 


In Gefahr durch Rücksichtslosigkeit

Ich arbeite in einem Tierbedarfsgeschäft, wir dür-fen unsere Filialen offen halten, schließlich benötigen die Tiere Futter. Trennwände bei der Kasse gibt es noch nicht. Heute bekam ich einen Riesenschreck, als ich eine Kundschaft bediente. Als ich sie schon abkassiert hatte, erzählte sie munter drauf los. „Wissen Sie, eigentlich bin ich in Quarantäne, aber da fällt mir ja die Decke auf den Kopf, mir ist langweilig, da gehe ich lieber zum Einkaufen“.

Ich trat sofort einen Schritt zurück und überlegte fieberhaft, wie nah ich dieser unbekannten Frau gerade war. Mein Vater fiel mir sofort ein. Er ist krankheitsbedingt vorbelastet, er hat nur noch eine halbe Lunge, trotzdem steht er voll  im Arbeitsleben.

Ich habe sofort meinen Vater angerufen und ihn ratlos gefragt was ich jetzt tun soll... dann habe ich...

 

01.04.2020, Stefanie, Waldkirchen


Vorbelastet negativ getestet

Zunächst nur so nebenbei und ganz langsam hat sich meine Aufmerksamkeit gesteigert, bis sich die Coronakrise in meinem Bewusstsein festgesetzt hatte. Schon im Januar hörten sich die Nachrichten aus China bedrohlich an, aber es war weit weg. Wie viele Menschen hier, konnte ich mir das Szenarium was wir jetzt haben, nicht im Traum vorstellen.

Ich bin noch jünger, aber krankheitsbedingt vor-belastet. Mein Immunsystem ist sehr schwach und jeder Infekt ist schon belastend für meinen Körper. Es war im Februar, da bekam ich eine Grippe. Meine Mutter achtet sehr auf mich und meine Gesundheit, sie drängte auf einen Arzttermin. Der war  schnell vereinbart und ein Covid-19-Test wur-de gemacht. Die Wartezeit auf das Ergebnis ist nervenaufreibend. Dauernd hat man eine Frage im Kopf: „Negativ oder positiv“. Gottseidank war mein Test negativ und nach ein paar Tagen ging es mir auch wieder mit der Grippe besser.

Meine Eltern waren sehr beruhigt, als meine Firma endlich „Home-Office“ anordnete....  Ich spare die Anfahrt zur Arbeit, ich spare Geld und Zeit. Kleine positive Seiten in der Lage ... Ich kenne das Gefühl der Isolation. Lange Zeit war ich früher wegen meiner Krankheit isoliert …

 01.04.2020 Andreas, Büchlberg

Einkaufshilfe funktioniert

 Meine Mutter ist über achtzig, deshalb habe ich ihr eine Einkaufshilfe besorgt. Der Kontakt lief schnell und gut. Man sollte sich nicht scheuen, die Angebote über die Pfarrgemeinden, die Stadt oder über die Hilfeportale anzunehmen. Es gibt aber ein paar Einschränkungen. Sie besorgen keine Tief-kühlsachen oder Wasserflaschen und wenn man eine bestimmte Marke aufschreibt, wird die auch nicht immer gebracht oder es werden anstatt Fleischtomaten dann nur Cherrytomaten geliefert.

 

Wenn die Besorgungen erledigt sind, wird geläutet, mit Bargeld bezahlt und überweisen geht auch. Zu meiner Mutter kommen junge Leute, ich glaube es sind Studenten. Angebote für größere Mengen Mineralwasser hat sie aber schon von Nachbarn bekommen. Wir hatten die Einkaufshilfe so ver-einbart, damit ich nicht so oft zu ihr gehen muss.

 

Mit Maske und Handschuhe verrichte ich die nötigsten Dinge in ihrem Haushalt und überwache die Tabletteneinnahme meiner Mutter. Die Versor-gung ist also gesichert. Es geht ihr körperlich eini-germaßen gut, aber sie leidet sehr an der Einsam-keit. Die Besuche der Enkelkinder fehlen ihr und so bleibt ihr nur lesen und fernsehen. Die vielen Coro-naberichte verunsichern sie Tag für Tag mehr  und neulich fragte sie mich…

03.04.2020, Ines, Vilshofen

 


Plötzlich im Alarmzustand

Schon lange hatte ich mich auf die Reise nach Mallorca gefreut. Acht Tage Erholung  lagen vor mir und meiner Reisegruppe. Am Freitag, den 13.März ging es los und als wir im Viersterne-Hotel ankamen, lachte die Sonne.

Unser Reiseleiter betreute uns bestens und erzählte, dass es auf Mallorca nur vereinzelt Covid-19-Fälle gibt. Zu der Zeit stimmte das noch.

Die angenehme Frühlingswärme in Can Picafort, im Norden der Insel, lud uns alle zum Spazierengehen und zu Erkundungen am Strand ein. Die Corona-Geschehnisse und Deutschland waren weit weg. Das super Urlaubsfeeling hielt genau zwei Tage. In einer Nacht- und Nebelaktion verteilte das Hotel lange Info-Zettel, die sie unter die Zimmertüren schoben und am nächsten Morgen waren alle Tische nur für zwei Personen eingedeckt und in großen Abständen aufgestellt. „Spanien hat den Alarmzustand ausgerufen“, erklärte unser Reiseleiter und jedem wurde mulmig zu Mute. Die Anweisungen gaben vor, nur zu dringenden Besorgungen und alleine darf man die Anlage des Hotels verlassen. Ständig sah man Polizeiautos rumfahren und Polizisten patrouillierten. Jemand meinte; „Wer sich nicht daran hält, kann auch ins Gefängnis kommen“. Alle schon vorab gebuchten Ausflüge wurden gestrichen und die Touristen, die mit Kreuzfahrtschiffen in Palma gelandet waren, durften nicht auf der Insel bleiben. Sie wurden ausgeschifft, sofort in Busse verfrachtet und zum

Flughafen gefahren. Nach drei weiteren lang-weiligen Tagen, die man nur in der Hotelanlage verbringen konnte, kam ganz plötzlich unser Reiseleiter mit der Mitteilung:

„Alle jetzt Koffer packen, in gut einer Stunde werden wir zum Flughafen gebracht.“ Eine Hauruck-Aktion! Als wir in München angekommen sind …

Vor ein paar Tagen habe ich im Internet nach-gesehen, wie es den Menschen auf den Inseln geht. Wie sieht es mit Corona aus? Laut einer Meldung von Ende März sind die Zahlen auf den Balearen zwar rückläufig aber rund tausend Infizierte sind es insgesamt, die Todesfälle stiegen auf den Balearen auf 37. Die Schnelligkeit der Verbreitung erschreckt mich immer wieder... 

 31.03. 2020, Elisa, Büchlberg

 



Eure Geschichten - 1. Teil


Emma und Lisa haben Angst

Die dreijährige Emma möchte gerne in den Kindergarten und „löchert“ jeden Tag ihre Mama, mit der gleichen Frage: „Kindergarten gehen, Mama! Morgen?“ Manchmal weint sie, weil sie denkt, dass sie nie wieder in den Kindergarten gehen darf. Böses Irus“, schimpft sie dann. Die Schulanfängerin Lisa dagegen hat Angst, dass der Osterhase heuer nicht kommen kann. „Mama, kommt der Osterhase durch das ganze Corona durch, kann er mir heuer was ins Nest legen?“ ...

 

Im gleichen Haus wohnt die Oma. Eine junge Oma und die macht sich ganz andere Sorgen. Das Einzel-handelsgeschäft ist zu, in dem sie arbeitet, Kurz-arbeit ist ab 1.April angekündigt …

Seit 16. März ist sie zu Hause und die Decke fällt ihr jetzt schon auf den Kopf. „Das Haus ist durch ge-putzt, für die Gartenarbeit ist es mir zu kalt derzeit und da ich Frühaufsteherin bin, weiß ich oft am Nachmittag nicht mehr was ich tun soll. Soviel Corona im Fernsehen nervt mich auch schon…zum Friseur habe ich es auch nicht mehr geschafft vor den Schließungen…ich schau aus! Noch schlimmer ist es mit meinem Mann…

26.03.2020 - Drei-Generationen-Haus, Lkrs. FRG

(telefonisch erzählt)


Wir haben Dienst

Ich leite einen Kindergarten und erlebe jeden Tag einen Organisations-Trubel. Fast täglich, manchmal stündlich kommen Anweisungen vom Jugendamt oder vom Landratsamt, wie wir uns (neu) verhalten sollen … wir haben (Not-) Dienst und sind für die Betreuung der Kleinen da. Eltern aus system-relevanten Berufen, können ihre Kleinen zu uns  bringen … meine beiden Kinder sind alleine zu Hause … .die Aufgaben der Schule sind angemessen, finde ich und manche Lehrer lassen sich gute Ideen einfallen … neulich war ich mit meinem Sohn beim Zahnarzt, ich musste zum Schutz vor der Praxis warten, da ging nichts mit Händchenhalten ….

... mein Mann hat sich in den letzen Tagen gewun-dert. Er ist tägich als  LKW-Fahrer auf den Straßen unterwegs. Immer öfter stehen Leute auf den Auto-bahnbrücken und winken. Ein Dankeschön für die Brummifahrer, das hat ihn sehr gefreut … und jetzt raten Sie mal ...

27.03.2020 - Angela,  Lkrs.Passau

 


Pflegerin im Urlaub

Mein Beruf ist anstrengend, das hat sich in den letzten Wochen mehr denn je rumgesprochen.

Ich bin Pflegerin in einem Altenheim. Schon sehr früh im Jahr müssen wir unseren Urlaub anmelden.

Die Dienstpläne werden danach abgestimmt. Schon lange war mein Partner und ich nicht mehr im Urlaub und über das Traumziel Thailand waren wir uns schnell einig. März, April ohne Regenzeit ist ideal. Nur den Flug buchen und mit Zug und Bus weiter zu einer Insel. Auf drei herrliche Wochen freuten wir uns noch Anfang März. Vom 14.3. bis 04.04. wollten wir Wegsein.  Intensiv suchten wir nach günstigen Flügen. Alle Linien waren noch im Einsatz. Doch dann spitzte sich alles zu, Tag um Tag kamen neue Richtlinien und Hinweise. „Nur noch aufs Knöpfchen drücken“, freute sich mein Lieber, weil er ein günstiges Angebot gefunden hat. „Die Buchung können wir gleich fix machen.“ "Deinen Optimismus möchte ich haben, wir müssen das alles absagen, es kommt noch dicke, ganz dicke“, gab ich ihm zur Antwort und nahm ihm seine Un-bekümmertheit. Die richtige Entscheidung, wie sich schnell rausstellte, denn ab dem 25. März hat die thailändische Regierung die Einreise auf dem Luft-, Land- und Seeweg für ausländische Reisende unter-sagt ...

Jetzt sind wir zwar in Urlaub, aber sitzen zu Hause rum. In den letzten Tagen hab ich immer mehr pragmatische Gedanken im Kopf. Wenn ich infiziert und sehr krank werdem sollte, dann muss alles geregelt sein für meinen Partner. So etwas wie mein "Hab und Gut" über-schreiben, notariell festlegen, wenn er plötzlich alleine ist. Und das hat wirklich einen ernsten Hintergrund ...

 29.03.2020, Gitte, Altenpflegerin, Lkrs. FRG

 

Alter Mann in Panik

Kurz vor den in Bayern verhängten Ausgangs-beschränkungen, die Klopapierregale waren bereits leer, wollte ich nur ein paar Kleinigkeiten besorgen.

Ich war auch neugierig und wollte wissen, was denn in den Regalen schon so alles fehlt. Ein älteres Paar direkt vor mir, hatte das Band vor der Kasse mit allem Möglichen vollgeladen, unter anderem sechs Pakete vom gleichen, abgepackten Brot.

Als die Kassiererin begann, das Brot über den Scanner zu ziehen, stutzte sie und stoppte. Sie sagte freundlich zu der Kundschaft: „Es tut mir leid, aber ich darf ihnen maximal zwei Packungen von dem Brot verkaufen. Das ist Anweisung von oben, von  der Geschäftsführung, wegen der Hamsterkäufe.“

Darauf die Reaktion des älteren Herrn: „Das gibt’s nicht. Wir brauchen das“. Mit Panik in den Augen ergänzte er vortäuschend: „Wir haben einen großen Haushalt.“ „Tut mir leid, ich habe Anweisung, das geht nicht“, kam die Antwort der Kassiererin. „Ich brauche das, ihr lasst mich verhungern!“ Der alte Herr wurde sichtlich aufgeregter. Die Kassiererin ließ die folgenden, immer wieder gleichen Schimpftiraden, ... „Ihr lasst mich verhungern“… schweigsam über sich ergehen, bis der Kunde …

13.03.2020 - Doris Jodl, Salzweg


Wenn die Liebe fehlt

Am sonnigen Wahlsonntag war meine Freundin Gabi bei mir. Sie wohnt in Österreich. Es war ein, es war unser, wunderschönes Wochenende und die Nachricht, dass Österreich die Grenzen dicht macht, hat uns beide geschockt. Schweren Herzens verab-schiedeten wir uns, jeder musste seiner Arbeit am nächsten Tag nachgehen. Eine rasante Woche folgte, eine Beschränkung nach der anderen kam. Heute, Samstag wollten wir uns sehen, irgendwie. Fast drei Wochen sind es schon, ohne meine Freundin. An der Grenze treffen? In Schärding geht das unmöglich, da steht das öster-reichische Bundesheer und kontrolliert streng. Mir fiel die Brücke von Neuburg am Inn nach Wern-stein, Österreich ein ... Schritt für Schritt wagten wir uns von beiden Seiten aufeinander zu. Bald war fast die Mitte erreicht. Plötzlich standen hinter mir zwei Polizisten. Der eine meinte: „Mal sehen, wie weit die Dame von Österreich über die Brücke rüber kommt“. Gabi blieb stehen, traute sich keinen Schritt weiter und ich ...                       

28.03.2020 - Walter, Osterhofen


Die vielen Aufgaben nerven

Am Freitag, den 13. März 2020, war es soweit. Markus Söder verkündete, dass alle Schulen in Bayern bis zum 19. April geschlossen haben. Na-türlich kam da bei mir erst mal große Freude auf. Endlich mal eine kleine Pause und länger schlafen. Doch auch diese „Zwangsferien“ sind nicht so entspannt wie gedacht. Bereits am Sonntag schrieb der erste Lehrer per E-Mail und man bekam erst mal zehn zeitaufwendige Aufgaben im Buch zu er-ledigen. Auch die folgenden Tage waren nicht besser. Jede Lehrkraft schickte Aufgaben über Aufgaben. Sogar drei Lektüren sind in dieser Zeit zu lesen.

Fast jeden Tag bin  ich um  sieben Uhr wach, mein Schlafrhythmus ist durcheinander.  Wenn ich das mit den vielen Aufgaben erzähle, kommt meistens von den Leuten, die ich kurz an der Haustür sehe, die Antwort: „Ist schon gut so, sonst wird es dir ja langweilig.“ Die haben keine Ahnung, wie uns die Lehrer mit Stoff überhäufen und dabei wollte ich in Ruhe für die Klausuren und Referate nach den Ferien lernen. Dass die Ausgangssperre verhängt wurde, finde ich gut. Erst gestern habe ich aber wieder drei Leute beobachtet, die sich umarmt haben. Was mich auch nervt, sind die vielen Videos, in denen alles mit Corona verharmlost wird. Jetzt bin ich schon sehr gespannt ...

27.03.2020, Carina, Schülerin in Passau


Vielen Dank!

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