Gedanken über die Pandemie -KW 14

03.04.2020 (12)

Freitag: Motivation

Ein sonniges, warmes Wochenende ist uns angekündigt und die zweite Woche der Ausgangsbeschränkung neigt sich dem Ende. Heute keine Statements und Themen rund um Corona, sondern ein bisschen was zum Thema Motivation aus meinem Kommunikations-Seminar. Ich stellte die Frage, warum wir uns manchmal selber ausbremsen und etwas nicht tun (sagen), was wir eigentlich tun wollen.  Ein Teilnehmer erzählte:

"Eigentlich möchte ich einen alten Freund wieder mal sehen. Wir haben uns seit Jahren nicht mal gehört. Kürzlich wollte ich zum Telefon greifen, da kamen mir Zweifel. Warum soll ich den ersten Schritt machen? Er hat sich auch nie gemeldet.  Ich hatte auch die Befürchtung, dass der alte Kumpel schnell wieder auflegt und gar kein Interesse hat, den Kontakt neu zu pflegen. Dass es ihm lästig sein könnte. Also ließ ich es bleiben. Mit der Zeit hatte ich gar keine Motivation mehr, ihn anzurufen und trotzdem denke ich an ihn und frage mich, wie es ihm geht."

Wenn der Freund auch so denkt, bleibt der Stillstand. Das lässt sich auf viele Dinge übertragen. In Zeiten der Entschleunigung bekommen wir eine neue Chance, etwas für uns zu regeln.  

In unserer anschließenden Diskussion kristallisierte sich heraus, dass dieser Mann mit seinem Gefühl nicht alleine war. Eine Frau erzählte, wie lange sie schon zum Chef gehen wollte, um mehr Gehalt bitten. Andere liegen im Streit, mit der Familie, der Konflikt lässt sich  einfach nicht lösen, weil keiner von seiner Position abweicht. Plötzlich hatte jeder eine Erfahrung und der Begriff, das innere Schneckenhaus kristallisierte sich heraus. Man zieht sich oft dahin zurück und vermeidet die Kommunikation. Damit verbunden ist die Angst. Man traut sich dieses oder jenes nicht zu, glaubt nicht an den eigenen Erfolg. Man könnte sich blamieren, einen verbalen Fehler machen, enttäuscht werden…

Jeder kann über den eigenen Schatten springen, mit Übung klappt die Motivation. Dazu gibt es auch einige Methoden … unter anderem lege ich gerne (Zitate)-Motivationskärtchen auf. Von großartigen Menschen, die mit wenig Worten viel sagen können. Mein Wunsch für euch, viel Motivation und Kraft für neue und alte Dinge, die man erledigen kann. Mein DANK heute, geht an alle Leser meines BLOGs. Die nachstehenden Zitate waren auch meine Motivation dazu. Schönes Wochenende!

Leisten wir uns den Luxus, eine eigene

Meinung zu haben.
Otto von Bismarck

Für alle, denen es nicht so gut geht:

"Und wenn du denkst, es geht nicht mehr,

kommt von irgendwo ein Lichtlein her".



02.04.2020 (11)

Donnerstag: Unsicher und beschwingt

Gestern bekam ich einen aufgeregten Anruf von einem Bekannten. Er arbeitet im Raum Straubing im Qualitätsmanagement. Ein Arbeitskollege war noch kurz vor der Grenzschließung in Österreich zum Skifahren, später hat er sich auf Corona testen lassen. Negativ. Der Mann hielt engen Kontakt zu den Kollegen und gestern kam sein zweites Testergebnis: positiv. Die ganze Abteilung wurde sofort nach Hause geschickt. Mein Bekannter klang total verunichert und verängstigt darüber, was jetzt kommt für ihn.

Mir drängt sich die Frage auf, wie zuverlässig die Testung ist und ob die Inkubationszeit, so wie manchmal beschrieben, doch viel länger dauert. Eines muss uns klar sein, insgesamt wird auf die Herdenimmunität gesetzt. Nur rund 30% der Bevölkerung wird von Covid-19 verschont bleiben und wenn diese Zeit da ist, vielleicht schon vorher, hofft man auf die Impfung. Im Moment setzt man nur auf die Eindämmung der sogenannten „Welle“.  Die Krankenhäuser-Entlastung  hat Priorität. Wir werden täglich überschwemmt mit Berichten, Meinungen, Statements und wissen doch nicht, was wirklich Sache ist. Viele sind sich in vielen Dingen nicht einig. Masken ja oder nein (hätten wir genug) Handy-App, und so weiter.

 

Ich überlege, wie es denn wäre, wenn festinstallierte „Runde Tische“, mit den immer gleichen Top-Fachleuten explizit in

Gremien von Virologen, Ärzten, Ethikfachleuten, Politik- und Wirtschaftsvertretern, tagen und beraten. Mit den Erfahrungen, Ergebnissen und Tatsachen könnten sie als eine Stimme, transparent und informativ an die Öffentlichkeit gehen mit validen Zahlen vor allem. Derzeit verwirrt der ständige mediale Meinungs-Flickenteppich und zeigt als Ergebnis doch, welche Unsicherheiten Corona ausspuckt. Einig waren sich alle verantwortlichen Poliker gestern, dass sich vor dem 20.April nichts ändert. Die Fragenzeichen zu den vielen Themen werden nicht weniger, aber  wir müssen geduldig sein und nicht dauernd die Verantwortlichen hetzen, treiben und drängen. Corona ist ein Lernprozess, für alle.  Ein Großteil unserer Gesellschaft ist gut versorgt und hat ein Dach über den Kopf. Ein Blick auf andere Länder verlangt mehr Demut. (Lock-Down Italien, Syrien, NewYork, Indien...)

 

Eine alte Freundin hat mich gestern angerufen, sie klang sehr beschwingt. Kein Lamentieren, wegen der Einschränkungen, keine Beschwerden über irgendetwas. Sie versprühte gleich gute Stimmung, als sie erzählte: „So eine schöne Zeit für meinen Mann und mich." Beruflich waren wir beide immer unterwegs. Tagelang oder eine ganze Woche haben wir uns nicht gesehen. Jetzt haben wir beide Kurzarbeit und endlich viel, viel Zeit zusammen. Wir hören Musik, lesen Bücher und gehen in die Natur. Wir kochen seit langem wieder zusammen. Wir kümmern uns jetzt nur um uns und unsere Beziehung, die zuletzt schon etwas in Schieflage war. Wir entdecken uns quasi neu und sind beide topfit. Ich freute mich über die guten Nachrichten und die positiven Gefühle. Wenn alles vorbei ist treffen wir uns auf einen langen Ratsch.

Mein DANK geht heute an alle positiv denkenden Menschen, die mit Zuversicht, Umsicht und mit gesunder Gelassenheit gute Laune versprühen. Das habe ich mir für heute vorgenommen, ich werde fleißig telefonieren und versuchen, gute Laune zu versprühen!


01.04.2020 (10)

Mittwoch: Kompliziert

Am 18.03. habe ich mir in meinem Beitrag in KW 12 Gedanken gemacht, wie es mit häuslicher Gewalt in Coronazeiten laufen wird. Heute, am 01.04. lese ich, dass die Frauenhäuser einen großen Ansturm erwarten, erste Zahlen sollen das belegen. Das sind die großen Schattenseiten der Zeit und es ist fast lächerlich, über welche kleinen Probleme wir manchmal zu jammern wagen. Sind das Männer, die vielleicht gefrustet über fehlende Fußballspiele aggressiv werden? Sind das die Männer, die nicht mehr fähig sind normale Kommunikation zu führen oder rasten sie aus, in der Krise durch Stress und berufliche Sorgen? Es betrifft alle Gesellschaftsschichten. Wie immer sind es die Schwachen, Frauen und Kinder, die derzeit keine andere Möglichkeit haben, als in den Wohnungen zu bleiben und deren letzter Hilferuf an die Frauenhäuser geht. Ein Großteil, eine Dunkelziffer wird es weiter ertragen, so wie vorher und jetzt vermehrt. (In Bayern gibt es dreizehn katholische Frauenhäuser Telefon: Info, 089 5388600, das Frauenhaus in Passau erreicht man über: 0851-89272 und 0851-37936201).

Eine andere Sache, habe ich was übersehen? Ist schon eine Einigung erzielt in der Frage ob Asylbewerber oder anerkannte Flüchtlinge in der angespannten Lage der Landwirtschaft eingesetzt werden dürfen. Man findet Zustimmung und Protest gleichermaßen. Das stand in den Medien (gekürzt)… Die Inte-grationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz hat angemahnt, das Arbeitsverbot zu lockern. Pro Asyl-Geschäftsführer Günther Burkhardt hat angesichts der Forderungen unter anderem verlauten lassen: Es dürfe nicht die Devise gelten: "Zum Spargelstechen gut genug und anschließend keine Perspektive" „Viele geduldete Geflüchtete kämpften seit Jahren vergebens“, teilte eine Sprecherin des Flüchtlingsrats mit…

Ich frage den Leiter eines Asylheimes wie er das sieht? „Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen. Wir haben ja gut integrierte Flüchtlinge, viele haben schon Arbeit bekommen. Andere möchten gerne bei der Ernte helfen und ein kleiner Teil  hat kein Interesse. Ich persönlich würde nicht zögern, das Arbeitsrecht aktuell bedarfsorientiert anzupassen. Diese Menschen mit Schutzmaßnahmen was dazu verdienen lassen, ohne Anrechnung. Das würde die Gesellschaft mehr zusammenbringen, man lernt neue Menschen näher kennen.“ Warum ist immer alles so kompliziert?

Persönlich würde ich auch geeignete, gesunde und junge Langzeitarbeitslose mobilisieren mit Bezahlung versteht sich. Vielleicht ist das ja in Folge Anreiz, Motivation und auf jeden Fall Wertschätzung für neu Geleistetes. Es wurde schon so viel außer Kraft gesetzt und bevor man teuer Arbeitskräfte aus Osteuropa einfliegen lässt, ist diese Lösung doch sehr nahe liegend. Ein Lernprozess für alle und gut für Erfahrungen, die gesammelt werden können. Wäre ich jünger und fitter, würde ich mich auch melden, damit frisches, regionales Gemüse weiterhin im Laden ist.

Die kleinen Unannehmlichkeiten: Wie geht es allen Frauen, die jetzt Friseur-Abstinenz haben? Bei mir wäre es höchste Zeit, dass ich in einen Salon komme. Man sehnt sich nach einer entspannten Kosmetikbehandlung und Fußpflege im Frühjahr stünde auch auf dem Plan. Ich bin kein Shoppingfreak, aber ich kann mir vorstellen, dass das Bummeln und nach neuen Angeboten schauen, vielen Damen fehlen wird. Hielten wir alle den Abstand, den wir beim Lebensmittelkauf einhalten und käme die Maskenpflicht, würde das Einkaufen in den anderen Geschäften nicht auch funktionieren?  Stürzt ihr euch derzeit auf die Onlineseiten? Schreibt mir gerne was dazu oder zu den anderen Themen und gerne eure Geschichte!

Heute will ich ausgiebig frische Luft schnappen und mich bewegen. Ich sitze zuviel vor dem PC. Mein DANK  geht an alle Helden des Alltags, an das ganze Hilfspersonal, voran an das medizinische Personal, die Einkäufer und Auslieferer und alle die für uns da sind.


31.03.2020 (9) 

Dienstag: Licht und Schatten

Unser Bundesland Bayern ist jetzt trauriger Spitzenreiter in Deutschland mit 14.437 Infizierten und 133 Toten, und die „Welle“ ist noch nicht mal da. (Stand von gestern). 180 Länder sind vom Virus betroffen. Handyortung wird thematisiert, einkaufen nur noch eine Person und bald nur noch mit Schutzmaske? Mein Zahnarzt hat gerade angerufen, Termin abgesagt, verschoben. Keine guten Nachrichten für den Start in einen sonnigen Tag. "Licht und Schatten" auf unserer Seele.

Wow, der Italiener Danilo Calabrese hat ein Video produziert, das geht unter die Haut. Eine deutsch-sprachige Version macht die Runde. Calabrese schlüpft in die Rolle des Covid-19-Virus und hält der Welt einen Spiegel vor. Er philisophiert, warum uns Corona heimgesucht hat. Der Schluss seiner Botschaften und Appelle gefällt mir sehr gut: „Ich bin auf der Durchreise und wenn ihr wieder am Feiern seid, …erinnert euch, nicht nur bessere Menschen zu sein, wenn ich (das Virus) anwesend bin.“  Das Video war für mich Anlass, mich etwas mit den Seuchen der Vergangenheit zu beschäftigen.

 Die Pest herrschte im Mittelalter (14.Jahrhundert) und forderte mehr als 20 Millionen Tote. Die Spanische Grippe (kam nicht aus Spanien, „Patient Null“ kam aus den USA, 1918 nach Europa. Spanien berichtete als erstes Land darüber.) raffte bis zu 50 Millionen Menschenleben dahin. Die Pocken zählten noch Anfang der 50er Jahre weltweit 50 Millionen Fälle. Wenn ich diese Zahlen sehe, kann ich nur hoffen, dass unsere moderne Wissenschaft und Forschung schnell eine Impfung kreieren kann.

Ich sinniere, für mich gehören die Korruption, der Terrorismus, mafiöser Drogenhandel und organisierte Prostitution, auch zu den Seuchen unserer Zeit.  Die UN zählte im Jahr 2017 insgesamt 585.000 Drogen-Tote weltweit. 500 Milliarden US-Dollar kassierten die Bosse und Dealer, wird geschätzt. Könnte man Corona steuern, würde ich mir wünschen, dass alle dunklen Machenschaften mit Covid-19 ausgeschaltet werden. Die Bibel sagt: „Liebe deine Feinde“. (Matthäus, 5, 38-48)

 

Entgegen dem weitverbreitetem Einsatz für Hilfe, macht eine andere Gruppe auf sich aufmerksam. „Corona-Aufseher“, selbsternannte Kontrolleure, also jene die auf Beobachtungstour gehen um vermeintliche Verstöße der Ausgangs-beschränkung zu melden. Das sind wohl  die Gleichen, die dem Nachbarn vor Corona  eins reingedrückt haben, weil die Hecke zwei Zentimeter zu hoch war. Was bewegt sie dazu, andere Menschen anzupöbeln oder die Polizei zu rufen, oft aus nichtigen Gründen. Die Sorge um die eigene Gesundheit, um das eigene Leben? Langeweile, ... oder weil sie das ablenkt und weil sie Schadenfreude zeigen, wenn andere sanktioniert werden. Was meint ihr zu diesem Thema?

 

Mit lauter Schreiben bin ich noch nicht durch mit Haus in Ordnung bringen. Das will ich heute weiter verfolgen. Mein DANK heute geht an so Leute wie Danilo Calabrese, die sich viel Mühe geben und mit sehr viel Zeitaufwand uns gedanklich, musikalisch und visuell tiefsinnig, seriös und berührend begleiten.


30.03.2020 (8)

Montag: Eure ersten Geschichten

Mein Wochenende war voll. Voll mit euren Geschichten. Danke, Danke! Ihr könnt mir auch Bilder senden, wenn ihr wollt. Alle diese Gedanken, diese Momente, sind es wert, festgehalten zu werden. Eine Sache hat sich herauskristallisiert. Ihr habt eine Menge zu sagen, aber nur, oder fast immer wollt ihr das anonym halten. Kein Problem, ich halte eure Beiträge so fest, wie ihr es wollt. Erste Auszüge sind ab heute unter: EURE GESCHICHTEN veröffentlicht. Die vollständigen Texte kommen ins Buch. Wenn alles vorbei ist, vergessen wir auch schnell. Deshalb möchte ich diese, nennen wir sie mal „Memory-Anthologie“

fortführen und bedanke mich bei den Schreibern und Anrufern. Apropos, den Inhalt aus einem Telefonat mit einem Berliner möchte ich noch als heiteren Gedanken anmerken:  "Ich lass mich doch nicht verrückt machen, ständig die Panikmacherei, das geht vorbei, das schaffen wir, irgendwie. Hier in Berlin können wir endlich die Fenster auflassen, frische Luft kommt rein, kein Verkehr, diese Ruhe tut gut und ich hab dann gute Laune." 

Wie war euer Wochenende? Der Samstag wäre schon wettermäßig ideal für eine kleine Grillparty mit den Freunden gewesen. Geht nicht. Ein Gruppenausflug. Geht nicht. Bummeln, im Cafè sitzen und die Leute beobachten. Geht nicht.  Disziplin ist gefragt und ein Großteil der Menschen hält sich an die Maßnahmen. Mich wundert nur, warum sie nach einer Woche schon auf Exit-Strategien drängen. Vor dem 20.April bleibt es wie erwartet bei den aktuellen Maßnahmen. Während ich am Sonntag gemütlich ein, zwei Stunden auf der Couch rumhing, überlegte ich, welches Wort wird am Ende der Covid-19-Pandemie zum Wort des Jahres gewählt? Systemrelevant? Exponentiell? oder Quarantäne vielleicht? Ich frage mich, wie die Welt, wie die Menschen nach Covid-19 alles handhaben. Zurück auf "so wie alles war" oder kommt es anders?

Unser Wirtschaftsleben wird sich neu orientieren. Alle reden davon, Medika-mente, Schutzkleidung, usw. in unserem Land produzieren zu lassen. Ein guter Vorsatz! Endlich sehen sie, wo es

hingeführt hat,  wenn Betriebe still- stehen, weil irgendein Teilchen aus China oder sonst woher fehlt oder Atemschutz-masken zum begehrtesten Produkt wer-den. Leider nutzen  das clevere (miese) Geschäftemacher gnadenlos aus. Noch etwas: KUG (Kurzarbeitergeld): Hinweis zum Antragsverfahren: 24 Seiten, das Merkblatt hat 40 Seiten! Wie war das?  "Ohne Bürokratie, einfach, schnell und sofort ?!"

Ich merke, dass es mir gut tut, wenn ich meine Gedanken aufschreibe, es ist eine Art persönliche Verarbeitung in und mit der Krise, auch wenn es nur für mich ist. Heute nehme ich mir die alten Englischbücher zur Hand, ein paar Vokabeln üben. Mein DANK geht heute an die vielen Städte weltweit, die sich an der Aktion „Earth hour“ beteiligt haben. (Licht aus, für eine Stunde). Der Klimawandel ist auch in dieser Zeit nicht vergessen.

#zusammenhalten!