Gedanken über die Pandemie - KW 15


10.04.2020 (17)

Freitag: Covid-19 abschalten

WOW Da hat sich doch ein BLOG-Leser Mühe gemacht. Rebellions-Blatt vom Donnerstag kopiert, ausgefüllt und mir zurückgeschickt. Das freut mich und zeigt Interesse.  DANKE!

Dunkelrot ist die Covid-19-Landkarte von Bayern eingefärbt und zeigt mir knapp 29.000 Fälle und 635 Tote an. In den Medien dreschen sie auf Ischgl in Tirol ein.

Hier sei die Corona-Brutstätte und verantwortlich für die Zahlen in Bayern, weil die Infektionen unter den Tisch gekehrt wurden. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gibt düstere Aussichten. "Mit Fußball, Freibad und Festivals wird es in diesem Sommer wohl nichts." Die zunächst von Kanzlerin Merkel als „Virusschleuder“ degradierte Maske, soll plötz-lich das Mittel sein, um überhaupt an Lockerungen zu denken. Lauterbach bei Markus Lanz:  "Eine OP-Maske ist circa fünfmal so gut  wie eine selbst-genähte Baumwollmaske. Und nicht Stoff, sondern Staubsaugerbeutel schneiden unter den Haushalts-materialien am besten ab …"  Und dann eine völlig andere Sichtweise aus Studien von Heinsberg, die das Gesamtbild Corona abmildert...

Dieser Satz vom Philisophen Jürgen Habermann, beeindruckt mich sehr: "So viel Wissen über unser Nichtwissen und über den Zwang, unter Un-sicherheit handeln und leben zu müssen, gab es noch nie."  (10.4.www.fr.de)

 


Ich fasse einen Beschluss, mir reicht es momentan. Osterferien werde ich machen. Ferien von der abendlichen Fernsehzeit, ich schalte Covid-19 ab. Vor allem die Talksendungen mit den unzähligen Fachleuten aus allen Gebieten, liefern mir ein ständiges Pro und Contra für alles, das ist nervig.

Heute ist Karfreitag, dieser wird auch stiller Freitag oder hoher Freitag genannt. Ein Gedenktag an das Leiden und Sterben von  Jesu Christi am Kreuz. Die Stille haben wir und praktizierende Christen werden die Teilnahme an derAuferstehungsfeier am Ostersonntag und die Kirchgänge vermissen.

Dazu kommt der Brauch, die Tradition bei uns. Ostereiersuchen mit der Familie, Kaffee und Kuchen am Nachmittag und was man sonst noch gemeinsam feiern wollte. Nichts geht mehr. Doch, wir können telefonieren, uns digital verständigen und eine neue Erfahrung sammeln. Ostern einmal komplett anders feiern. Wie war Ostern für dich, für euch?  Schreibt mir.

 

 

Das kleine Lottchen füttert die Hühner

mit Kakao. Die Oma sieht das und fragt sie:

" Warum machst du das?"  Lottchen sagt:

"Wie sollen die Hühner sonst die

Schokoladeneier

für den Osterhasen legen?"

 

Frohe Ostern!



09.04.2020 (16)

Donnerstag: Ärger?

„Der Mensch ist ein Gewöhnungstier“, bemerkte ganz ruhig eine Freundin. „Bald rennt jeder mit einer Maske durch die Gegend, das wird zur Selbstverständlichkeit. Die Geschäfte werden nach und nach wieder  öffnen, langsam wird bald alles wieder normaler. Sie hatte Zuversicht in der Stimme. Eine andere schimpft auf die Politik, auf die da oben, auf den in ihren Augen übertriebenen Maßnahmen. Und überhaupt nerve sie das "Corona-Getue" und hat Ärger im Bauch über alle möglichen Dinge. Ich gab ihr einen Tipp: Nimm dir einen Schreibblock und mal dir Kreise oder Rechtecke auf. Vier, fünf, sechs … so viele du brauchst. Dann notiere dir mit ein, zwei Worten was dich ärgert, was dir so richtig stinkt zurzeit und schreib es in deine Kreise. Vielleicht nimmst du die Vierecke für besondere Fälle (Familie oder Arbeit). Dann streich die drei leichten Ärgernisse, mit denen du leben kannst und leg dir daneben den Fragebogen zur Zufriedenheit auf. Und dann überleg noch einmal, wie schlimm wirklich alles für dich ist.

1. Blatt Papier, Kreise und / oder Rechtecke aufmalen,  Ärger reinschreiben. Drei leichte wieder streichen.

2. Zufriedenheitsliste abhaken, was zutrifft, vergleichen

In Anlehnung an die Bedürfnis-Pyramide vom Psychologen Abraham Maslow (1908–1970).


Schulbeginn nach den Osterferien? Kommen Lockerungen, wann und welche? Wird die Maskenpflicht eingeführt? Gesundheitsdaten über Fitness-App? Themen über Themen, Fragen und viele Antworten, aber noch nichts Verbindliches. Diese Karwoche hat sowas wie das Warten der Kleinen auf den Osterhasen.

Am Ostersonntag kommt ein einsames Urbi et Orbi >  für die Stadt und dem Erdkreis, der Segen vom Papst.  Und alle warten auf den 14.April. Wie angekündigt, soll es da eine Entscheidung geben für die Richtung, die eingeschlagen wird. Ich scheuch sie weg, meine Überlegungen, der Tag ist viel zu schön dafür. Ich kümmere mich heute um mein eigenes kleines Umfeld. Osterwünsche schreiben und ein paar kleine Päckchen an meine Liebsten senden. 

Heute geht mein DANK an meinen Mann, der mich trotz meiner oft ausgefallenen Ideen und Einfälle immer unterstützt und mir viel persönliche Freiheit einräumt.


08.07.2020 (15)

Mittwoch: Wertschätzung und was über mich

WpA – kennt ihr diesen Begriff? Es ist ein Begriff aus dem Kommunikationsseminar und bedeutet: Worte der persönlichen Anerkennung - Wertschätzung. Es gibt Methoden, das zu üben. Eigentlich ist es sehr einfach, Wertschätzung auszudrücken. Mit einer inneren Haltung bewerten wir, unabhängig von Leistungen, das Wesen eines Menschen und drücken das mit Respekt, Wohlwollen und Zugewandtheit aus. Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit runden das ab. 

Voraussetzung für angewandte Wertschätzung ist die Fähigkeit zur Empathie.

Einige Arbeitsblätter habe ich mir dazu für mein Seminar erstellt und plötzlich verlieren sie an Gewicht, weil es eine Kehrwende um fast 100% gibt. Da wird gemeinsam geklatscht, gemeinsam gesungen und da werden Danke-Videos produziert. Wertschätzung für die Ärzte und das Pflegepersonal, Wertschätzung für Leute an den Kassen,  Reinigungskräfte, LKW-Fahrer, die Müllabfuhr und die freiwilligen Helfer. Das gab es in den letzten Jahren nie. Plötzlich wissen alle, wie wichtig die sogenannten systemrelevanten Berufe sind. Seit der Krise bekommen alle diese Menschen ein Gesicht, werden interviewt, nach ihrer Meinung gefragt und werden gelobt. Das ist eine Sonnenseite auf der Schattenseite von Corona. Jemand schrieb: „Wir haben uns schon immer und lange vor der Krise für diese Personen und Minderheiten eingesetzt.“ Ich hoffe, dass die neue Wertschätzung nach der Covid-19-Pandemie nie in Vergessenheit gerät und weitergelebt wird. Klopf deinem Nachbarn, deinem Freund, mal auf die Schulter und sag ihm: "Wie schön, dass es dich gibt."  Und vor lauter (gerechtfertigt oder nicht) Meckerei darf man nicht vergessen, dass auch unsere  Entscheidungsträger versuchen, ihr Bestes zu geben! Deshalb auch hier: Applaus.

Gestern bekamen wir ein kleines Zeichen der Wertschätzung. Die Nichte meines Mannes, eine junge Frau, hat uns überraschend eine Osterkarte geschrieben. Darauf stand unter anderem ... "ich finde eine Karte ist doch viel persönliches als nur ein Whatsapp..." BRAVO, genauso denke ich auch.

Ich nutze Whatsapp, klar. Aber ich halte die Balance mit Telefonieren und Schreiben. Versucht es doch mal, die Freude, die ihr erntet, ist groß. Auch in diesem Zusammenhang passt ein Gedicht von meinem Buch: "Und immer wieder werden Rosen blühen" (findet ihr im Büchershop)

Etwas von Dir
Kurznachrichten sind modern
tippst sie schnell und gern
am besten noch mit Zeichen
Smileys und dergleichen
ein bisschen mehr wagen
etwas persönlich sagen
die Stimme hören
die Stimmung spüren
was den anderen bewegt
das gesprochene Wort lebt
die Hand kann schreiben
die Erinnerung wird bleiben
Wünsche nicht digital
das wäre wieder mal
etwas Echtes
mit Worten oder auf Papier
und wirklich was von Dir


Eine Nachricht über Whatsapp: Ich lese immer wieder mal in deinem Blog, leider schreibst du viel zu wenig über dich. Ok, will ich hiermit nachholen. Ich bin im Januar in Hamm in NRW geboren und war ein Frühchen mit etwas mehr als tausend Gramm. Im Alter von sechs Jahren bin ich mit meinen Eltern nach Bayern gezogen. Ich bin die Älteste von drei Geschwistern. Seit 1975 bin ich (mit dem gleichen Mann) verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Beschäftigt war ich angestellt und selbstständig in vielen Bereichen, u.a. im Marketing-Bereich und im Vertrieb.  Parallel habe ich immer wieder geschrieben und letztes Jahr konnte ich fünf Bücher mit eigenen Mitteln auf den Markt bringen. Die Coronazeit verbringe ich mit viel Schreiben, Arbeiten im Haus und Garten. Dazu betreue ich einige Menschen telefonisch, denen es nicht so gut geht. Die vielen zusätzlichen Aufgaben und Betätigungen, die ich mir in der Entschleunigung notiert hatte, habe ich noch nicht alle geschafft. Alles in allem bin ich gelassen und bedauere am meisten, dass ich mit meinen Lieben nicht zusammensein kann.

Mein DANK heute geht an alle Karten- und Briefeschreiber, Bastler/innen, sowie an alle Kreative.


 07.04.2020 (14)

Dienstag: Zahlen

Gestern musste ich lachen, vor Wochen konnte man sich nie im Leben vorstellen, dass unsere Bundeskanzlerin ihrem Volk, Wasch- und Pflegetipps für Mundschutzmasken gibt. Alles ist paradox in diesen Zeiten und leider schaffen sie es immer noch nicht 1600 elternlose Kinder aus Griechenland zu holen. Wie armselig, Luxemburg nimmt zehn Kinder auf!

Wenn man Tagebuch schreibt, stellt man fest, dass sich die eigenen Betrachtungen und Ansichten verändern können. Ich höre genau zu, was mir die Leute so erzählen und richte mich nach der Nachrichtenlage. Nach einem Hinweis wurde ich sehr nachdenklich. Ich recherierte und platziere heute nur Zahlen ohne Kommentar und ein Gedicht von mir.

 9 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Hunger und Unterernährung. Davon 3.1 Millionen Kinder. Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen leiden rund 821 Millionen Menschen weltweit an Hunger (Stand 2017).

1 Million Menschen starben an AIDS (lt. UNAIDS 2017). HIV ist das Virus, das die Krankheit Aids auslösen kann, eine Immunschwäche. Die Zahl der Neuinfektionen ist zwar hoch, konnte aber nach und nach gesenkt werden. (Quelle Wikipedia).

9241 Menschen starben in 2017 durch Suizid in Deutschland. (Statistisches Bundesamt). 6.990 Männer und 2251 Frauen. Etwa zehn Prozent waren jünger als 30 Jahre. Nach absoluten Zahlen hatte Bayern im Jahr 2017 die höchste Suizidrate in Deutschland mit 1.597 Menschen, die den Freitod wählten.

(Quelle: BR.de)

40.000 bis 50.000 Sterbefälle durch schwere Lungenentzündung in Deutschland. Erkrankungen an Pneumonie 350.000 bis 500.000 Menschen jährlich.

20.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an einer Grippe (Influenza) lt. FS-Doku, des NDR. 


Aus meinem Gedichtband: Beklemmung aus 2019

"Und immer wieder werden Rosen blühen"

 

Heute geht mein DANK an die Pflegekräfte in allen Altenheimen, Behindertenheimen, Kinderheimen, Therapeutische Einrichtungen, usw.

 

 

Beklemmung

Kennst Du die Beklemmung
nach einer Fernsehsendung
wenn sie talken und streiten
über kommende Zeiten
über Krisen in der Welt
über fehlendes Geld
über die Ungerechtigkeit
dann ist es bei mir so weit
die Ohnmacht macht sich breit
als kleines Lichtlein im Gefüge
was tun, gegen Gewalt und Lüge
ich kann mich nur besinnen
und ich hoffe, es wird gelingen
für meine Nächsten zu sorgen
ihnen beistehen, heute und morgen
freundlich den Menschen begegnen
gemeinsam für das Gute leben
und für der Welten Ende
bleibt mir nur eine Spende

 



06.04.2020 (13)

Montag: Worstcase

Sirenen heulen auf, maskierte Menschen zeigen bedrohlich ihre Fäuste, während sie  sich in lange Warteschlangen einreihen, jemand öffnet eine dunkle Kiste und schreit mich an, du bist die nächste…

Montagmorgen, ich wache erschreckt auf. Schnell wird mir klar, dass sich die Horrorbilder, die sie von New York zeigten, in meinen Traum eingenistet hatten.

Ich lasse die letzten Wochen Revue passieren und lese meine eigenen BLOG-Einträge durch. Da schrieb ich: Stille, noch genieße ich es. Mir fallen die Menschen ein, die sich jetzt nach Stille sehnen. Menschen in den Ballungsgebieten, die in kleinen Wohnungen sitzen, nicht mal einen Balkon haben. Familien mit Kindern die sich streiten und Eltern, die bald keine Ideen mehr haben, wie sie die Kleinen in den Wohnungen halten sollen. Wenn die Gewalt einzieht und die Sozialarbeiter nicht helfen können.  Was macht das mit den psychisch labilen Menschen in der Krise und was danach? Es gilt Nutzen und Schaden der ganzen Maßnahmen in Balance zu halten, warnen die Ethiker.

Derweil sitzt die Wirtschaft auf heißen Kohlen und drängt auf ein Datum oder besser gesagt auf eine verbindliche Exit-Strategie mit einheitlichem Konsens. Wie können das manche Branchen verkraften oder werden sie das verkraften? Mir fällt der Film Der weiße Hai ein, wie er mit seinem scheußlichen Maul alles in sich hineinzieht auf nimmer Wiedersehen. Nur ein Film, aber was wird Corona alles „wegfressen?“ Leben, Freiheit, Sicherheit und Geld, viel Geld.  Die nächste Krise, die Schuldenkrise, hängt wie ein Damoklesschwert über viele Länder. Kommt die Kehrtwende zu „Geiz ist geil“ und wird in Zukunft mehr made in Germany produziert, damit die Industrie nicht alles zusperren muss, weil irgendein Teilchen aus China oder aus einem anderen Land fehlt?

Am Wochenende war auch das Thema Tracing App (Nachverfolgung von Corona-Infizierten, via Handy) relevant. Die Risikogruppen warnen? Ich persönlich kenne niemanden jenseits der achtzig, der ein Smart-phone hat. (Laut Umfrage würden sich 50% daran beteiligen). Noch schlimmer, was am Freitag im Fernsehen thematisiert wurde. Mit einer Gelassenheit beschreibt Professor Marckmann aus München ein Szenarium rund um den Begriff Triage, was Auswahl oder Einteilung bedeutet. Er holt italienische Szenarien in unsere Wohnzimmer.

Dem Bürger wird ein worstcase (schlimmster Fall) nahe gebracht. Es kann im Verlauf der Pandemie dazu kommen, dass sie im „Mehr-Augen-Prinzip“, mit Fachärzten, Medizinethik, usw. Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen fällen müssen. Im Klartext heißt das, es könnte dazu kommen, dass eine auf verschiedenen medizinischen Grundlagen basierende Ent-scheidung gefällt werden muss, wer von der Beatmungsmaschine abgehängt wird oder wer erst gar nicht dran kommt. Transparenz schön und gut, aber muss das sein, dass sich das jetzt Oma und Opa in ihrer Isolation und eh schon verängstigt, auch noch reinziehen müssen?  Manchmal fühle ich mich wie in einem Sience-Fiktion-Film mit Überlänge ... und man kann ihn nicht abschalten.

 

Die Sonne lacht, so als wolle sie uns sagen: „Ich schick euch Wärme auf eure Körper und in eure Seelen. Alles wird gut!“  Mein DANK heute, geht an die Omas und Opas und  an alle die vorbelastet sind.

# durchhalten! Heute gehe ich nach meinen Aufgaben Sonne tanken.