Gedanken über die Pandemie - KW 12


21. / 22.3.2020  (2)

Zero - auf Null gesetzt

Sonntag. Noch genieße ich die neue Ruhe, kein Lärm von außen, niemand klingelt unerwartet. Ich habe eine Aufgabenliste erstellt. Wohnung putzen, in den Garten gehen, von unnützen Dingen trennen. Und meine unzähligen Unterlagen sortieren. Ich glaube, dass ich noch lange nicht an Langeweile leide. Das steht auf meiner Liste:

 

- BR alpha - hier gibt es interessante Beiträge und lernen kann man auch was

- Alte Englischbücher raussuchen und Vokabeln auffrischen

- Bastel- und Malsachen liegen noch im Keller, vielleicht entdecke ich mein Talent

- Skypen, telefonieren und bei alten Freunden nachfragen, wie es geht

- Meine Lieben ständig kontaktieren und Neuigkeiten austauschen und Hilfe anbieten

- Relaxen und erholen, Tiegelchen und Töpfchen nutzen, bewegen und Frischluft tanken

 

Ich überlege, dass es manchmal nicht so einfach ist mit dem Föderalismus. Ich finde es gut, dass Markus Söder mit der Ausgangsbeschränkung und als Frontmann in die Offensive ging. Die Ansprache von Bundeskanzlerin Merkel heute, gibt ihm im Tenor Recht. Egal ob man es Kontaktsperre nennt oder andere Bezeichnungen findet, es ist: Zero,- alles auf Null gesetzt!

Partei-Politik, AfD und sonstige immer hochgeputschte Alltagsthemen weichen einem einzigen Problem: Corona eindämmen! Jetzt gehe ich wellnessen > in mein Bad.

 

21.3. Stille. An einem Samstag! Keine Autos flitzen vorbei, fast keine Menschen zu sehen und das miese Wetter heute passt zur allgemeinen Stimmung, dessen Tenor zwischen Angst, Hoffen und Bangen liegt. Die Angst, dass man sich infiziert hat und das Zählen der Tage, weil die Inkubationszeit zwischen zwei und vierzehn Tage liegt.

Ab heute rechnen wir mit Tag „Null“, weil ab heute die Ausgangsbeschränkung in Kraft getreten ist und wir in unserer Familie bleiben werden. Doch welche Kontakte hatten wir vorher? Könnte da was übertragen worden sein? In Gesprächen, beim Einkaufen oder sonst wo. Die unsichtbare Gefahr verängstigt und verunsichert uns immer mehr.

Hoffen, dass dieser Horrortrip schnell vorbei geht. Doch von allen Seiten bekommen wir es bestätigt: es wird dauern, sehr lange. Und dann das große Bangen, um den Arbeitsplatz und den Betrieb. Jetzt halten wir den Blick ganz fest auf unsere Lieben, auf unser Umfeld, auf unsere Region, auf Deutschland und auf die Statistiken.

Ich denke an die Flüchtlingssituation. Gerade finde ich eine Info:

Deutschlandfunk: 42.000 Flüchtlinge säßen zurzeit in Lagern auf den griechischen Inseln fest, sagt der Soziologe Vasilis Tsianos. Bis das Coronavirus sich ausbreitet, sei es nur noch eine Frage der Zeit. Er fordert, die Menschen in leeren Hotels auf dem Festland unterzubringen. Die Griechen aus Athen und größeren Städten flüchteten auf die Inseln, jetzt wurde ein Einreisestopp verhängt, nicht zuletzt weil die Krankenhäuser dort nicht gut ausgestattet sind. Wann holen sie die elternlosen Kinder aus dem Chaos?

 

Eiskalte Schauer laufen mir den Rücken runter wenn ich nach Norditalien sehe und das Bild von verzweifelten Bestattern hat mich sehr erschreckt. Das Militär transportiert die Särge ab.

Trump hat nicht reagiert sondern wollte Punkte für sich sammeln, als er Europa als die Schuldigen der Krise bezeichnete und damit einen Börsenverfall auslöste. Jetzt hat Corona NewYork im fatalen Griff.

 

Der Spielplatz gegenüber liegt einsam da und plötzlich sehe ich jemanden dick eingehüllt vorbeiziehen, einen einzigen Spaziergänger. Welche Woche! Strahlende Wahlsieger und Feiernde am Sonntag, Schule zu am Montag, ein rasendes Tempo mit vielen Ereignissen. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. 

Jetzt abschalten, keine Sondersendungen mehr, sondern Musik hören!



18-03-2020  (1)

Gedanken über die Pandemie

Covid19 - roots cause bis shut down

Nein, ich drücke nicht permanent „Gefällt mir“ unter die unzähligen, gut gemeinten Whatsapps mit Witzen und Wünschen zur aktuellen Lage. Ich mache mir meine eigenen Gedanken. Die Fragen warum, wodurch, wie weiter?, beschäftigen mich und die Menschen und viele Fragen bleiben unbeantwortet.

 

Meine Recherche in Wikipedia:

 Li Wenliang war ein chinesischer Augenarzt und wurde bekannt, weil er schon frühzeitig die Gefahren der durch die damals neue Coronavirusvariante SARS-CoV-2 verursachten Lungenentzündung COVID-19 erkannte und seine ärztlichen Kollegen davor warnte. Er wurde dafür von den chinesischen Behörden wegen Verbreitung von „Gerüchten“ gemaßregelt. Li erkrankte später im Verlauf derCOVID-19-Pandemie selbst an einer Lungen-entzündung und starb im Alter von 33 Jahren an den Folgen dieser Infektion am 06.02.2020.

 

Fledermäuse gelten als wahrscheinliches Virus-Reservoir. Hier irritiert mich das Wort „wahrscheinlich“. Die ersten Fälle wurden von einem Markt in der chinesischen Stadt Wuhan gemeldet, auf dem Wildtiere verkauft wurden.

 

Ich zitiere aus einem Bericht der Frankfurter Allgemeine: „Ein republikanischer Senator hat zur Verbreitung der Verschwörungstheorie beigetragen, wonach das Virus aus einem biochemischen Labor des chinesischen Militärs in Wuhan stammen könnte. Amerikas nationaler Sicherheitsberater Robert O’Brien wirft Peking vor, den Ausbruch in der Provinz Hubei vertuscht und der Welt damit zwei Monate wichtiger Reaktionszeit geraubt zu haben“.

Keine Neuigkeit, sondern schon sehr verbreitet diese Anschauung zu der Frage: Wodurch entstand die Pandemie? Stellt man diese Aussage in die Ecke der Utopie, so steht doch fest, dass China die frühzeitigen Warnungen des Arztes nicht ernst genommen oder aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten verdrängt hat. Zu spät liefen die drastischen Maßnahmen an und die Staaten weltweit haben lange bedauernd auf Wuhan geschaut, ohne an die globalisierte Welt zu denken und die rasante Ausbreitung von Covid-19 auf alle Kontinente. Jetzt ist es so wie es ist … Macron aus Frankreich geht noch weiter: „Es ist ein Krieg ohne Waffen!“…welche Tiefsinnigkeit? Während Trump unkoordiniert seine Leute in eine tiefe Krise führt und lange gar nicht reagierte. Erst als ernst wurde, fand er die Schuldigen in Europa und löste mit seinem Statement einen Börsenverfall aus.

 

Covid-19 bei uns

Wie stolz waren hierzulande die Verantwortlichen, als die ersten Fälle im Januar, nach Chinakontakten der Webasto-Mitarbeiter schnell identifiziert waren, das Umfeld isoliert wurde und beruhigt wurde. Wie ich, dachten wohl noch viele, das wars, alles bleibt im „grünen Bereich.“ Vereinzelte Fälle beunruhigten noch niemand. Im Februar horchte man auf, als es in Italien losging und den Karneval hierzulande ließ man laufen. Jeder kennt die Statistik und was jetzt aus Europa geworden ist. War es die Unsicherheit und die Unentschlossenheit, die das Handeln bremsten, obwohl das RKI (Robert-Koch-Institut) bereits früh gewarnt hatte. Mir war klar, dass ein intelligenter Ministerpräsident aus Bayern noch die Wahlen retten wollte. Im Vorfeld leitete er konsequent, transparent ab dem 16.3. die erforderlichen Maßnahmen im Alleingang ein. Der Frage: „Wo war Merkel und die EU?“, kann ich mich nur anschließen. Merkel *) schickte lange Zeit ihren, wenn auch ehrlich klingenden, Gesundheitsminister an die Front und die Länder nahmen (ohne EU) die Grenzschließungen selber in die Hand. Pandemie und Katastrophenfall in Bayern. „Eine Katastrophe im Sinn des Gesetzes ist ein Geschehen, bei dem Leben oder Gesundheit einer Vielzahl von Menschen gefährdet oder geschädigt werden…“ „Hätte… wäre, sollte … nicht eher … nicht schneller….“, machte die Runde. Diese Pandemie katapultiert uns alle in einen Lernprozess und den durchlaufen wohl alle. Von den Politikern und den Medizinern bis hin zu den Bürgern. Ich selber habe die ernste Lage auch spät verinnerlicht.

Hamstern

 Schaut man auf 1918 und die „Spanische Grippe“ wiederholt sich das Phänomen der Hamstereinkäufe. Auch damals kauften die Menschen panisch alles leer. Gut hundert Jahre später das gleiche Bild und ich kann es mir nur mit einer Kettenreaktion erklären. Wenn A zehn Rollen Klopapier kauft, denkt sich B: „Upps, da muss ich auch mehr nehmen, sonst ist nichts mehr da“. C, D, E, usw. steigen mit ein. Szenarien mit unnötig gehorteten Artikeln bereiten einem Teil der Gesellschaft Ärger und Zorn über diese Dummheit und andere Bevölkerungsteile kaufen, kaufen und kaufen. „ICH statt WIR“, Solidarität bleibt auch hierzulande häufig auf der Strecke. In manchen Läden wird die Ausgabe von bestimmten Artikeln bereits eingeschränkt. Mit mehr Besonnenheit, wäre das alles nicht nötig.

In den USA kaufen sie Waffen? (das Virus wegschießen?) Vielleicht haben Sie Angst vor Plünderungen wenn die Versorgung eng wird? Die Franzosen denken lieber ans Genießen und decken sich mit Wein und Kondomen ein.

 

Ich lese gerade was und denke, wie immer erwischt es die Ärmsten der Armen. Bei uns schließen die Tafeln und Suppenküchen für Obdachlose. Sie finden bald nichts mehr in den leeren Papierkörben, wenn es ruhiger wird auf den Straßen, das Pfandgeld fällt weg. Eine echte Herausforderung für Hilfe und Solidarität.

 

Fake News

Erschreckend sind derzeit die Fake-News und Kommentare gegen alles was die Vernunft verlangt. Horror-Szenarien, falsche Informationen und abstrakte Verschwörungstheorien machen die Runde. Gutgläubige Menschen fallen darauf herein und die Verursacher reiben sich die Hände, weil sie noch mehr Panik verbreiten konnten. Das ist kein Spaß mehr! Nur seriösen Medien vertrauen und nicht u.a.dubiosen Whatsapps. Dieses Kommentar-Beispiel auf „Twitter“ hat mich schwer getroffen, hier schreibt ein junger Mann: „Hurra Corona! ... endlich rafft es die Alten dahin…“. Abscheulicher geht es nicht!

 

 Philosophisches

 Gerne philosophiere ich für mich so dahin und dabei dachte ich an das Klimathema. Greta und Co, und die

„Friday for futore“- Bewegung, stießen geballt das Thema Umwelt und „Rettet die Welt“ an. Das weltweite Gehör bis dato mäßig. Hat sich eine „höhere Macht“ darum angenommen? „Ihr Menschen, ihr hört nicht auf mit der Umweltverschmutzung und mit der Vernichtung von Flora und Fauna!“ Ihr Menschen kennt nur ein Wort: "Wachstum, Wachstum  immer mehr, immer weiter." Irgendwann muss die Blase ja platzen. 

Ein persönliches Beispiel, was mich im Umgang mit Tieren schockiert hat und mich nahe den Tränen brachte, war ein Fernseh-Bericht. Über die unmenschlichen Tiertransporte, von Schächtungen und Misshandlungen. Die pure Verachtung gegenüber Lebewesen. Weiter habe ich mich empört über so viel Ungerechtigkeit, über Uneinsichtigkeit gegenüber CO²-Einsparung, über das uneingeschränkte Rasen auf unseren Autobahnen und die Hilflosigkeit und Ignoranz in Sachen Flüchtlinge. Jetzt sind wir zwangsweise entschleunigt von all unserem Überfluss und dem Tempo im Alltag. Ein Innehalten in allen Bereichen des Alltags, leere Straßen, Einkaufspassagen zu und das öffentliche Leben eingestellt. Da wurde uns ein „Ding“ geschickt, das uns extrem einbremst und sagen will: „Das habt ihr davon, ihr wollt euch und die Welt nicht (ver)ändern, jetzt müsst ihr es.“ Sollen wir zur inneren Einkehr kommen und uns auf Werte wie Mitmenschlichkeit, Empathie und Demut besinnen? Verlangt diese unbekannte Macht von uns den konsequenten, weltweiten Einsatz zum Klima- und Umweltschutz oder soll die Welt bestraft werden mit Krankheit und sogar Tod? Das Wachstum, die Gier und das ständige Raffen, alles steht vor einem Stopp-Schild und selbst die Superreichen sind jetzt eingebremst im Überfluss ihres Jetset-Lebens.

 

Psychologisches

Vor ein paar Tagen kam das Thema häusliche Gewalt in den Fokus. Was mich erschütterte, war die Zahl der zu Tode gequälten Frauen in unserem modernen Deutschland. Jeden dritten Tag kommt eine Frau hier gewaltsam zu Tode. (der Anteil nach Nationalitäten wurde nicht genannt). Die Frauenhäuser haben regen Zulauf, der Bedarf steigt. Wie ist das jetzt in Corona-Zeiten? Jetzt, da alles noch enger nur im Familienkreis abläuft? In vielen Wohnungen und Wohnsiedlungen mit wenig Möglichkeiten für den Abstand zueinander? Jetzt, wo die Angst und die Aggressivität steigt, weil man den Arbeitsplatz verlieren könnte? Wo entlädt sich all die Unsicherheit und der Zorn und an wem? Der Schutz für Frauen, Kinder und sozial Schwache bekommt eine aktuelle, wichtige Bedeutung denke ich. Es würde ganze Scharen von Helfern und Sorgenden benötigen und das kann nicht alleine von außen gestemmt werden. Intakte Menschen beschäftigen sich jetzt sinnvoll, das kann man auch zu Hause. Lesen oder schreiben, spielen, Frühjahrsputz aktivieren und relaxen. Sie achten auf sich, auf ihre Partnerschaft und ihre Angehörigen. Gerade der Appell: „Ruhe bewahren“ hat seine tiefe Bedeutung und meint auch, nicht aus lauter Frust in Alkohol- und Drogenexzessen zu verfallen und damit sich und andere schädigen. Wir sollten ein Auge auf unsere Nachbarn haben und den Mut einzugreifen und sei es nur der Griff zum Telefonhörer bei ernsten Situationen, um Hilfe zu rufen!

Wirtschaft

Nicht nur die Wirtschaft, in die man hineingehen kann, gutes Essen und Trinken bestellt, sich auf eine Feier oder Veranstaltung freut, sondern die WIRTSCHAFT als solches ist bedroht. Ich als Laie kann mir wahrscheinlich die Folgen und Spätfolgen der durch das Virus eingeschränkten Arbeitswelt nicht im Geringsten und in allen Konsequenzen ausmalen. Es war 2006 glaube ich, als der DAX damals auf unter 3000 Pkt. runter rasselte. Davon sind wir noch weit entfernt aber wie lange ist das noch aufzuhalten? Schon kommen erste Diskussionen auf, wie sicher das Geld auf der Bank ist. Die Arbeitnehmer haben andere Probleme und ähnlich vielen Arbeitgebern kommt die bange Frage: „Wie lange können wir das mit der Krise noch meistern?“ Kurzarbeit? Das heißt 60% vom Nettolohn und wird bei vielen nicht reichen, alles zu bezahlen. Kündigung? Noch schlimmer, die ganze Existenz, alles geht den Bach runter. Kleine und mittelständische Unternehmen spüren jetzt am Anfang der Maßnahmen schon drastische Einbußen. Die Branchen als solches brauche ich gar nicht aufzuzählen und jeder weiß, dass es auch die Kulturschaffenden und den Sport gravierend trifft. Ich hoffe, dass die angekündigten Finanzhilfen der Regierung und wie Finanzminister Scholz bekräftigte:

 „Wir kleckern nicht, wir klotzen“, tatsächlich und ohne Formularschlacht so abläuft, dass die finanziellen Hilfen schnell und gezielt ankommen um ein großes Firmensterben zu vermeiden. Für die Familien wünsche ich mir aufgeschlossene und hilfsbereite Arbeitgeber und soziale Regelungen für Schwache und Alleinerziehende. (Die beschlossene Grundrente? Ich denke, darauf muss noch länger gewartet werden.)

 

 Mein Resümee am 18.03.2020

Ich habe gelernt und wer jetzt immer noch nicht bereit ist, sich den Empfehlungen und Maßnahmen anzuschließen, der ignoriert das Miteinander im wünschenswerten WIR. WIR, dass heißt ALLE. Politiker, Mediziner, alle  Bürger.

Chapeau! Ich ziehe meinen Hut vor den vielen Einsatzkräften in allen Bereichen, die in dieser Pandemie-Krise für uns da sind! Es ist nicht die Zeit für gegenseitige Beschuldigungen oder politisches Parteiengeplänkel. Erst recht nicht die Zeit für Hetze, Häme und Corona-Partys. Es ist die Zeit des Zusammenhalts, der Rücksichtnahme und der gegenseitigen Hilfe. Auch wenn die Ausgangssperre kommt und der Alltag noch schwieriger wird… durchhalten!

 

 *) 18.03. BR-Fernsehen, 18.20 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht zur Nation. Diese Ansprache war (über-)fällig. Und sie war lang und gut. Ruhig, besonnen und gut gewählte Worte fanden ihren Platz und beleuchteten jeden Bereich der Pandemie. Lobenswert der Dank an Medizinpersonal und an das Personal in den Lebensmittelläden. Und der sehr ernstgemeinte Appell: „Befolgen Sie die Maßnahmen!“

 

 „Bleibt gesund!“ und allen Kranken wünsche ich: „Beste Genesung!“